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Gute 20 Jahre, von 1887 bis 1907, reiste Clara Pleßke mit ihren 12 Löwen und 4 Doggen durch die Welt. Von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, von einem Zirkus zum anderen. Moment. Clara Pleßke? Clara Pleßke war natürlich nicht der Name für die Leiterin einer weltbekannten Löwennummer. Auch Clara Hanmann, wie sie nach ihrer Hochzeit mit dem sächsischen Stallmeister Fedor Karl Johann August Hanmann hiess, kam da nicht so besonders gut. Aber Heliot, Claire Heliot klang doch interessant, da schwangen fremde Länder Abenteuer mit. Also taufte sich Clärchen Pleßke kurzerhand in Miss Claire Heliot um und wurde unter diesem Namen zur berühmtesten Löwendompteuse der Jahrhundertwende und zu einer weltbekannten Attraktion.
Am 9. Februar 1866 wurde Clara Pleßke in Halle/Saale als Tochter des Postsekretärs Friedrich Pleßke und seiner Frau Bertha geboren. Im Leipziger Zoo arbeitete sie als Hilfskraft in der Tierpflege. Dem Zoodirektor, Ernst Pinkert, fiel auf wie gekonnt Frau Pleßke mit den Raubkatzen umgehen konnte und bot ihr an, ein Löwenjunges zu dressieren. Daraus entwickelte sich im Lauf der Zeit eine Gruppe mit 12 Berberlöwen und 4 Doggen. Die Namen der Löwen sollen hier nicht unerwähnt bleiben: "Sascha" (der Lieblingslöwe), "Nero", "Luchs", "Othello", "Ajax", "Milo", "Ralph", "Cilo", "Anton", "Hass", "August", "Romeo". Ein Highlight ihrer Nummer war es, wenn sie am Schluss ihren 360 Pfund schweren Löwen Sascha schulterte und aus der Manege trug.
Am 14. Dezember, zu Beginn ihrer Karriere, heiratet sie oben erwähnten Herrn Hanmann, von dem sie sich 1901 wieder scheiden lies (ob die Namensgebung der Löwen "August" und "Hass" da wohl eine Rolle spielten? ;-). 1898 startete sie ihre erste grosse Tournee. Im Lauf der Zeit besuchte sie ganz Europa bis nach Russland und kam schließlich auch mit dem Zirkus Sarrasani nach Amerika (sie wurde übrigens nie ohne ihren Kutscher Karl Haupt engagiert, der dann auch später ihre Löwengruppe übernahm). 1898 trat Miss Claire Heliot auch in Stuttgart, in Nills Tiergarten auf und nachdem sie sich, nach einem schweren Unfall in der Manege 1907 in Kopenhagen, vom Zirkus zurückzog, kaufte sie in der Nähe von Stuttgart für 75.000 Goldmark den Rappen- hof. Dort betrieb sie Landwirtschaft und züchtete Pferde. Durch die Inflation, Anfang der 20iger Jahre verlor sie ihr komplettes Riesenvermögen und musste in eine Erdgeschosswohnung in der Stitzenburgstrasse nach Stuttgart umziehen. Ihr bescheidenes Einkommen verdiente sie mit dem Verkauf kosmetischer Artikel. 1944 ausgebombt erlebte sie das Kriegsende in einem Altenheim in Beutelsbach. Der Stuttgarter Ober- bürgermeister Arnulf Klett holte sie schließlich zurück nach Stuttgart und verschaffte ihr einen Platz im Alters- heim Hasenbergheim.
Dort starb sie am 9. Juni 1953. Sie wurde auf dem Stuttgarter Waldfriedhof beerdigt und angeblich soll der Zirkus Sarrasani den Grabstein bezahlt haben. Hier liegt sie noch heute, verschlä¤ft die Ewigkeit und träumt wahrscheinlich von Zirkusmusik, dem Geruch von Sägespänen, Scheinwerfern und wartet auf das Signal zum Auftritt.
"Die Menschen haben mich immer wieder enttäuscht! Meine treuesten Freunde, das waren doch - meine Löwen...."
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